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Sonntag, 7. Juni 2015

Ich bin leer. Und das tut gut.

Sonntagspost
Ich wasche die Erdbeeren, nehme das Omelett aus der Pfanne und verfeinere meinen Kaffee mit einem klitzekleinen Schuss Karamellsirup. Die weiche Butter schmilzt auf meinem Toast und die kleinen Tomaten glänzen im Licht, das durch das Küchenfenster hereinfällt. Es ist Sonntag. Und ich tue das, was ich sonntags am liebsten tue: ausgiebig frühstücken und die Woche Revue passieren lassen.
So sitze ich also mit verschränkten Beinen auf dem Bett und atme erst Mal tief durch. Die vergangene Woche war anstrengend. Nicht, weil ich so viele Termine hatte, nicht, weil ich seit Samstag eine Erkältung mit mir herumtrage und auch nicht, weil das Wetter tropische Temperaturen schickte. Das alles war okay. Anstrengend war etwas ganz anderes: ich hatte in der letzten Woche die Ruhe verloren, die ich mir vorher auf langem Wege angeeignet hatte.
Normalerweise bin ich Optimist. Mich bringt so schnell nichts aus der Ruhe. Bevor ich mich aufrege, atme ich durch und wäge Argumente und Szenarien ab und komme dann zu der Erkenntnis: "Kriegen wir hin." Doch letzte Woche war das alles weg. Es reichten kleine Momente, einfache Worte und in mir fing es an zu brodeln - ich echauffierte mich und schimpfte wie ein kleiner Rohrspatz. Tagelang. Immer über das gleiche. Ich schüttelte zu oft den Kopf, vehement bestand ich auf "da fehlen mir die Worte" bevor ich dann doch weiterschimpfte als gäbe es kein Morgen mehr. Für mein sonst so ruhiges Ich war das extrem anstrengend.
Das merkte ich aber erst als ich gestern Abend mit einem Eis auf der Brücke am Wasser saß, die laue Sommerluft meine Beine umspielte und ich nach langen und aufregenden sieben Tagen mal an nichts denken musste. Ich beobachtete das Treiben, fing fremde Gesprächsfetzen auf und wie ich da so saß, kam mir ein Gedanke: Ich bin leer. Ich habe es tatsächlich geschafft, mich über sieben Tage hinweg leerzuschimpfen. Ich habe das Thema, das mich die letzten Tage so aufgeregt hat, tatsächlich totgeschimpft. 
Alles, was ich jemals dazu sagen wollte, ist gesagt. Und weil das so ist, habe ich auch keine Lust mehr, mich damit zu beschäftigen. Es ist mir ab sofort wieder egal. Als ich das erkannt habe, kam auch wieder die Ruhe in mir zurück. Man könnte sagen, ich sei wieder so ausgeglichen wie vorher. Nach dieser Woche kann ich also (nicht nur für mich) zusammenfassen: Es hilft, sich über Aufreger aufzuregen bis man sich so aufgeregt hat, dass es einen nicht mehr aufregt. Man darf das. Man sollte das vielleicht sogar tun. Für den eigenen Frieden.
Mit dieser Ruhe schmeckt ein Karamellkaffee übrigens noch besser. Und genau deshalb werde ich mir jetzt noch einen machen und dann voller Freude in die neue Woche starten. Leer sein kann so gut tun.


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