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Mittwoch, 21. Oktober 2015

Wochenmitte. Zeit, auszusortieren.

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Kalt ist es geworden. Ganz plötzlich war er da, der Herbst. Die ersten Kastanien haben es vom feuchten Asphalt schon in meine Jackentasche geschafft. Die Schals und die Mäntel habe ich wieder ausgekramt. Und obwohl ich in den letzten fünf Wochen zwei Mal krank geworden bin, freue ich mich. Denn er ist meine Lieblingsjahreszeit - der Herbst.
Endlich kann man sich wieder was Ordentliches anziehen. Mag zunächst seltsam klingen, aber merkt ihr nicht auch, dass man sich endlich wieder sinnvoll Gedanken über sein Outfit machen kann, weil man nicht das Gefühl hat "okay, nein, ich werde zerfließen, sobald ich ein Stück Stoff trage"? Endlich kann ich mich also wieder meinem Kleiderschrank widmen, der aus allen Nähten platzt und quasi danach schreit, Aufmerksamkeit zu bekommen. Und ich kann wieder Tee trinken, hohe Schuhe tragen, die Heizung aufdrehen und es mir an ihr bequem machen. Das sind Dinge, die kann ich nur, wenn der Herbst da ist. Und ja, eventuell bin ich da etwas seltsam.
So seltsam wie ich eben bin, beginnt für mich im Herbst auch die Jahreszeit der inneren Ruhe. Wenn ich dann also nachts an den Kastanien vorbeilaufe, sich die Laternenlichter im regennassen Asphalt spiegeln und ich meinen Atem sehen kann - denke ich nach. Über die Welt und die Menschen, die in ihr leben. Über die vielen Menschen, die so unentspannt sind und sich über so vieles ergebnislos aufregen. Über die Menschen, die die Schuld nie bei sich selbst suchen, sondern immer bei anderen. Und über die Menschen, denen man am besten nichts erzählen sollte, wenn es nicht jeden was angeht. Letzteres wurde mir in letzter Zeit wieder bewusst. Obwohl ich von mir behaupte, eine gute Menschenkenntnis zu besitzen, habe ich das ein oder andere Mal herzlich danebengelangt. Kann passieren. Ist aber enttäuschend. Vor allem, wenn man ganz genau einordnen kann, wer im Vertrauen Erzähltes ausgeplaudert hat und wer es für nötig hielt, ungefragt alles weiterzutragen. Ich mag diese Menschen nicht und kann es bis heute nicht verstehen, wieso man so etwas tut. Noch nie habe ich Vergleichbares getan, nichts liegt mir ferner als vertraute Personen zu hintergehen. Deshalb gibt es nur eine Konsequenz: Abstand nehmen. Was nach großem Drama klingt, ist ein leiser und schneller Schnitt. Niemand in meinem persönlichen Umfeld sollte die Möglichkeit haben, mich herunterzuziehen. Und auch ihr solltet niemandem diese Option lassen. Denn wenn es jemanden belastet, dann euch. Oder mich, in diesem Fall. Es ist okay auszusortieren. Es ist okay, eure Kraft nur mit den guten Menschen eingemummelt auf der Couch zu teilen. Mit Wärmflasche und heißer Schokolade. Denn Freundschaft bedeutet, etwas von sich selbst zu investieren, ohne etwas im Gegenzug zu erwarten. Investieren, ohne dabei hintergangen zu werden. Solche Leute brauche ich nicht und ihr bestimmt auch nicht.
Deshalb mag ich den Herbst. Weil ich das Gefühl habe, über genau solche Dinge nachzudenken und genau solche Entscheidungen zu treffen. Aussortieren ohne schlechtes Gewissen.
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Kommentare:

  1. Du sprichst mir schon wieder total aus der Seele :)

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  2. toll geschrieben! Kann ich alles nachfühlen…

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Sahnehäubchen sind natürlich immer gerne gesehen :)