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Sonntag, 24. Januar 2016

"Das macht dich auch nicht schöner." [Die Sache mit den Selbstportraits]

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Ich weiß noch genau, dass man mich damals, ganz am Anfang meines Fotografierens, fragte, wieso ich denn ständig Selbstportraits machte. "Das macht dich auch nicht schöner", hieß es. Harte Worte für ein 16-jähriges Mädchen, das da noch nicht wusste, dass man auf solche Menschen im Leben verzichten kann. Selbstportraits haben mir schon immer gut getan, deshalb beschloss ich für mich, nicht damit aufzuhören, sondern einfach nur die Plattform zu wechseln. Ich erstellte meinen Blog. Trotzdem, der Satz von vor sechs Jahren ist mir auch heute noch extrem präsent. Er hat sich in mein Hirn gebrannt. Und nun möchte ich das erste mal davon berichten, wieso ich mich überhaupt selbst fotografiere.

Ich werde auch heute noch oft dafür belächelt. Ich bin die, die regelmäßig ihr Profilbild aktualisiert und dafür auch Spott kassiert. Es ist eine oberflächliche Welt, daran hat sich auch im Jahr 2016 nichts geändert.
Mit einem Unterschied. Heute weiß ich: ja, kein neues Foto macht mich schöner. Und das muss es auch nicht. Darum geht es mir nicht. Ich möchte niemandem demonstrieren, dass ich wunderschön sei. Wenn ich ein neues Bild von mir mache, dann, weil ich ein Gefühl ausdrücken möchte. Weil es vielleicht ein Gefühl gibt, das ich verarbeiten will. Entweder, weil ich mich extrem wohl fühle oder weil ich in einer neuen Situation bin, in der ich mich erst mal zurechtfinden muss. Mich mit meinem eigenen Gesicht in bestimmten Situationen auseinanderzusetzen, hat mir schon immer extrem geholfen. Ich habe mit jedem Selbstportrait über die Jahre an Selbstbewusstsein gewonnen und bin deshalb schon seit einiger Zeit an dem Punkt, an dem ich mit mir mehr als nur zufrieden bin. Ich bin im Reinen mit mir selbst, mit meiner Hülle, die jeder sehen kann. Ich habe mich akzeptiert, weil ich mich nun kenne. Von innen und von außen. Ich habe mich in nun fast allen möglichen Situationen und Gefühlslagen kennengelernt. Und sollte sich daran eines Tages wieder etwas ändern, werde ich mich damit auseinandersetzen. Mit Selbstportraits.

Es ist nicht immer einfach, weil es nicht jeder versteht. Kommentare wie "wieso schaust du denn so traurig?", "ein Lächeln würde auch nicht schaden", "wieso so emo?" höre ich oft auch aus engeren Bekanntenkreisen. Ich habe aufgehört, mich dort zu erklären. Dass ich keine 24/7-Grinsebacke bin, weiß man auch, wenn man mich näher kennt. Ich kommuniziere viel mit meinem Gesicht, meine Mimik sagt mehr als tausend Worte. Ich drücke mich gerne mit meinem Gesicht aus und deshalb werde ich auch immer Selbstportraits machen. Immer. 
Besonders in Stresssituationen bringt es mich wieder zu mir selbst, wenn ich vor meinem Stativ stehe und meine Stimmung ausdrücke. Es ist meine Art, runterzukommen, zu mir selbst zu finden und mich auszudrücken. 

Selbstportraits sind mein Ventil.

Die neuesten Fotos sind entstanden aus einer Mischung von Stress und Zufriedenheit. Ich fühle mich aktuell, trotz Stress, extrem wohl in meiner Haut. Ich mag, dass ich zur Zeit gefühlt alles auf die Reihe bekomme, obwohl das Pensum enorm hoch ist. Und ich mag, dass ich meinen "Neujahrsvorsatz" bisher gut eingehalten habe. Ich wollte mehr auf mich schauen und öfter "nein" sagen. Ich bin stolz, dass mir das so gut gelingt. Ich habe das Gefühl, alles unter Kontrolle zu haben. Und das möchte ich ausdrücken. Ob ihr mich dabei schön findet, ist mir erst mal egal.


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Kommentare:

  1. Oh diese Menschen, warum muss man so was schreiben?! Ich finde Selbstporträts haben einen ganz eigene Zauber und unterscheiden sich nicht von anderen Bildern. Es geht doch immer irgendwie um ´Ästhetik. Ich finde deine Bilder wunderschön!

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  2. Ich kann dich sehr gut nachvollziehen. Manche Leute meinen direkt man sei eingebildet oder sonst irgendwas, dabei gibt es doch echt Dinge die es wert sind sich über sie aufzuregen. Eine Person, die sich häufig selbst fotografiert gehört da meiner Meinung nach nicht dazu. Mir persönlich macht es auch einfach Spaß mich vor die Kamera zu stellen und auf den fernauslöser zu drücken. Wenn ich weit uns breit kein anderes Motiv finden kann, dann nehme ich eben mich selbst :)

    Alles Liebe von www.rndmmemories.blogspot.de

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  3. wunderschöne Fotos, und was für ein Glück, dass du damals weiter gemacht hast :)
    Ich kenn auch solche Menschen, die nichts von Selbstportraits halten, das sind aber meistens auch solche, die keine Ahnung von Fotografie haben.
    Liebe Grüße :)

    www.vivalavida-photography.blogspot.de

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  4. Mach weiter so und höre nicht auf die anderen. Mit Selbstportraits setzt man sich nochmal viel intensiver mit der Fotografie und mit sich selbst auseinander. Das tut gut. Deine Bilder sind toll.

    Ich hatte auch mal eine kleine Blogpost zu Selbstportraits geschrieben: http://klimmpics.de/portrait/ideen-fuer-selbstportraits/

    Liebe Grüße
    Thomas

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  5. Ohhh, das kann ich soooo nachvollziehen!
    Allerdings hat sich der Stempel "eingebildet" heute in Zeit der ständigen Selfies überall ein bisschen abgenutzt. Habe ich mir von meiner besten Freundin sagen lassen, im Bezug auf Selbstporträts und meine Zweifel, zu diesen zu stehen.
    Und paradoxerweise finde ich bei Anderen ja auch oft GERADE die Selbstporträts toll!

    BEi Dir zB. ODer Laura Zalenga...oder oder oder.
    Nur bei mir selbst habe ich dann diese Stimmen der Anderen noch als Echo im Kopf widerhallen:
    Eingebildet, Selbstverliebt...oder eben auch den 'lach doch mal'-scheiss.
    Auch für mich hat das jedoch eine Bedeutung WEIT über den Spiegel hinaus.
    ICh hab es immer darauf geschoben, dass es erst ab dem zweiten Lebensjahr überhaupt Fotos von mir gibt aber im Prinzip ist es viel mehr als das.
    Es ist eher eine Selbststudie. (Den Begriff habe ich vor kurzem ers bei TUmblr gelesen und irgendwie finde ich trifft das noch mehr den KErn.)
    Eine Reflektion, eine Auseinandersetzung mit sich selbst. Wer bin ich?
    Und gleichermaßen auch ein ZEugnis. Auch mir geht es so, dass ich die MOmente, in denen das Foto entstanden ist, verknüpfe. Wie eine Andere Art Tagebuch, quasi.

    Ok, aber ich gerate hier in Deiner KOmmentarbox ins Labern. Zeigt, wie gut Dein Artikel ist ;)

    Liebste Grüße aus Berlin,
    Fae

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  6. Ich finde die Bilder total hübsch! Ich bin auch der Meinung, wenn es dir gut tut, dann solltest du das machen. Es gibt Menschen, die sich immer überall einmischen und einem etwas schlecht reden. Da muss man auf sich selbst hören.. solche Situationen stärken auch enorm an Selbstbewusstsein :)

    Grüße, Susanna
    _________________________________
    www.susannavonundzustil.de

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Sahnehäubchen sind natürlich immer gerne gesehen :)