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Sonntag, 12. Februar 2017

Die Sache mit dem Vergessen.

Man ist nur so alt wie man sich fühlt. Oder vielleicht so alt wie man vergesslich ist? Es gibt Dinge, vor denen habe ich Angst. Älter werden gehört im Grunde nicht dazu. Außer vielleicht in einer Hinsicht: ich habe Angst vor dem Vergessen.


Wir leben in einer schnelllebigen Welt - täglich prasseln tausende Informationen auf uns ein. Manchmal weiß ich abends nicht mal mehr, was ich am selben Tag zum Frühstück gegessen habe, weil mein Gehirn es direkt aussortiert. Manchmal weiß ich "das hab ich doch irgendwo gelesen", finde es aber nie wieder. Dabei sind unsere Feeds doch sogar schon vorsortiert. Ich bekomme noch nicht mal alle Informationen, die sich da draußen herumtreiben. Manchmal sage ich im Spaß "Ich habe das Gehirn eines Goldfisches", doch meine es gar nicht so lustig wie es klingt. Ich habe Angst, für mein Alter schon zu vergesslich zu sein. Wenn ich mich mit meinem Kollegen über Personen unterhalte, in deren Wohnungen wir erst vor wenigen Wochen gedreht haben, gucken wir uns manchmal nur hilflos an. "Ich weiß genau, wen du meinst! Mir liegt der Name auf der Zunge! Aber ich komm' nicht drauf..." Manchmal erinnern wir uns auch gar nicht mehr an die Leute. Es ist ein ernüchterndes Gefühl. Und manchmal habe ich Angst vor lauter Vergessen immer dümmer zu werden.
Ich war bisher zwei Mal in meinem Leben einem allgemeinen Wissenstest unterzogen. Der erste war die schlimmste Demütigung meines Daseins. Ich saß vor diesem Test und dachte mir bei jeder Frage: "Ich weiß ganz genau, worum sich diese Frage dreht, aber die konkrete Antwort darauf weiß nicht. Ich hab doch auf jeden Fall davon gelesen!" Aber ich hatte es eben nicht verinnerlicht. Ich hatte das Gefühl, unglaublich dumm zu sein. Geschämt hatte ich mich - und zwar so sehr, dass ich am Ende des Tests eine Entschuldigung für mein Versagen formulierte. 
Das Problem: ich bin es gewohnt zu googlen, mir wichtige Dinge virtuell abzuspeichern oder zu notieren, damit ich jederzeit nachsehen kann. Ich weiß, wo ich suchen muss, um Antworten zu finden - nur in meinem Kopf sind sie nicht mehr hinterlegt. Tweets, die ich gut finde, retweete ich und finde sie jederzeit in meinem Feed. Bei Facebook kann ich mir Posts "für später" abspeichern, ich mache mir unglaublich oft Screenshots von wichtigen Dingen oder schreibe mir selbst Notizen in whatsapp. Wie eine alte vergessliche Frau.
Ich habe Angst davor, wie sich das im Alter entwickeln wird. Ich weiß, dass ich nicht dumm bin. Es gibt Dinge, die prägen sich mir extrem gut ein. Mein Personengedächtnis ist außerhalb meines Berufs unglaublich gut ausgeprägt, ich kann mir Texte und Melodien sehr schnell merken und im logischen Denken bin ich auch nicht gerade schlecht. Nur mit dem Merken hapert's. Mein Gehirn ist auf's Aussortieren programmiert. Scheint etwas auch nur halb so interessant ist es "wuuusch" direkt im Hirn-Mülleimer. Es scheint jedoch ein Ding unserer Generation zu sein, denn ich bin mit diesem Problem nicht alleine. Ich beobachte dieses Phänomen in meinem Umfeld tatsächlich zunehmend. Wir diskutieren nicht mehr so lange über etwas, wir wissen's nicht, wir googeln direkt. Ich hab Angst wie das erst im Alter werden soll. Müssen wir uns einfach nichts mehr merken können? Wird es egal sein, weil man ja jederzeit eine Suchmaschine für die Antwort anwerfen kann? Ich habe ja jetzt schon das Gefühl, mein Gehirn nicht vollends nutzen zu können. Was erst, wenn ich wirklich älter werde?

Beschäftigen euch solche Dinge eigentlich auch? Habt ihr auch das Gefühl, ihr könnt euch nicht mehr so viel merken wie ihr es euch wünschen würdet? Oder wovor habt ihr so Angst oder Sorge?

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